Lichen sclerosus (LS) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die hauptsächlich im weiblichen Intimbereich auftritt. In der langjährigen Begleitung von LS-Patientinnen haben wir häufig mitbekommen, dass im Zusammenhang mit LS auch zeitweise Blasenbeschwerden auftreten. Für Betroffene ist das neben den typischen LS-Symptomen wie Brennen, Jucken und Schmerzen eine zusätzliche Belastung, die den Alltag und das Wohlbefinden stark einschränken kann. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Blasenbeschwerden entgegenwirken können und wie die sanfte Lasertherapie bei Lichen sclerosus eingesetzt werden kann.
Wie machen sich Blasenprobleme bemerkbar?
Bei Lichen sclerosus kann auch der Harnröhrenausgang betroffen sein, was wiederum zu Blasenproblemen beitragen kann. Typische Symptome sind häufiges oder starkes Wasserlösen, Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, nächtliche Toilettengänge sowie ungewollter Urinverlust. Außerdem kann der Scheideneingang brennen und ein Stechen im Unterleib beziehungsweise im Bereich der Blase vorliegen. Anders bei einem Infekt sind im Urin keine Bakterien nachweisbar. Diese Unterscheidung ist wichtig und sollte berücksichtigt werden, um die genaue Ursache für die Blasenprobleme einzugrenzen. Nur so lässt sich eine geeignete Behandlung finden.
Warum kann Wasserlassen bei Lichen sclerosus unangenehm sein?
Ist die Haut im Vulvabereich durch LS entzündet, gereizt oder eingerissen, kann der Kontakt mit Urin unangenehm sein und ein Brennen verursachen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Blasenentzündung vorliegt. Der Urin trifft beim Wasserlassen auf die bereits empfindliche Haut und kann dort zusätzliche Reizungen und Schmerzen auslösen.
Bei länger bestehendem Lichen sclerosus können zudem Vernarbungen und anatomische Veränderungen auftreten. Beispielsweise können sich die kleinen Schamlippen zurückbilden oder Bereiche miteinander verkleben. In ausgeprägten Fällen können solche Veränderungen auch den Bereich um die Harnröhrenöffnung betreffen und das Wasserlassen beeinflussen.
Tipp 1: Lichen sclerosus konsequent behandeln
Eine wichtige Voraussetzung, um die vorliegenden Beschwerden langfristig kontrollieren zu können, ist die Behandlung der Grunderkrankung. Als etablierte Therapie bei Lichen sclerosus kommen insbesondere hochpotente lokale Kortisonpräparate. Sie sollen die Entzündung reduzieren, Beschwerden lindern und das Risiko fortschreitender Hautveränderungen verringern. Meist kommen sie als Salben zum Einsatz. Die verordneten Salben müssen konstant angewendet werden. Auch in beschwerdearmen Phasen sind regelmäßige gynäkologische Kontrollen wichtig.
Kortisonsalben können auch direkt am Harnröhrenausgang angewendet werden, um zusätzliche Beschwerden wie Brennen und Schmerzen zu reduzieren. Eine sogenannte Stoßbehandlung über mehrere Tage und Wochen hat in der Praxiserfahrung bei Patientinnen zu einer Verbesserung oder gar zum Verschwinden der Symptome am Harnröhrenausgang beigetragen. Alternativ können auch Östrogensalben eingesetzt werden, da sich anders als an der Vulva um den Harnröhrenausgang Östrogenrezeptoren befinden.
Tipp 2: Reizungen im Intimbereich möglichst reduzieren
Bei empfindlicher Haut kann eine zurückhaltende Intimpflege hilfreich sein. Stark parfümierte Waschlotionen, Intimsprays oder aggressive Reinigungsprodukte können die ohnehin gereizte Haut zusätzlich belasten. Für die tägliche Reinigung reicht daher häufig klares, lauwarmes Wasser oder eine individuell empfohlene milde Pflege. Rückfettende Salben können je nach Befund dazu beitragen, die Hautbarriere zu schützen.
Brennt die Haut insbesondere beim Wasserlassen, kann es zudem hilfreich sein, den Kontakt des Urins mit stark gereizten Hautbereichen möglichst zu reduzieren. Viele Patientinnen berichten davon, dass ein Fetten der Haut vor dem Wasserlassen die Beschwerden senken kann. Anschließend sollte die Region vorsichtig gereinigt beziehungsweise trocken getupft werden. Überdies kann es sinnvoll sein, statt Klopapier lieber Wasser nach dem Toilettengang zu nutzen, um die Reibung auf der Haut zu minimieren.
Tipp 3: Blase nicht durch zu wenig Trinken „schonen“
Wer ständig zur Toilette muss, versucht mitunter, weniger zu trinken. Das ist jedoch nicht grundsätzlich sinnvoll. Eine dauerhaft zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann den Urin stärker konzentrieren, wodurch er auf gereizter Haut zusätzlich unangenehm sein kann. Sinnvoller ist eine über den Tag verteilte, bedarfsgerechte Flüssigkeitszufuhr. Bei ausgeprägtem Harndrang kann es außerdem helfen, zu beobachten, ob bestimmte Getränke die Beschwerden verstärken. Kaffee, Alkohol oder stark koffeinhaltige Getränke können bei manchen Menschen den Harndrang beeinflussen. Eventuell kann es außerdem sinnvoll sein, bestimmte Informationen und Beschwerden zu dokumentieren, um einen Überblick zu möglichen Mustern und Auslösern zu erhalten.
Tipp 4: Den Beckenboden mitberücksichtigen
Chronische Schmerzen und unangenehme Empfindungen im Intimbereich können dazu führen, dass der Beckenboden unbewusst angespannt wird. Umgekehrt kann eine eingeschränkte Funktion des Beckenbodens verschiedene Beschwerden im Bereich von Blase, Sexualität und Becken verstärken. Je nach Befund kann daher eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie sinnvoll sein. Dabei können sowohl Beckenbodentraining als auch gezielte Entspannung eine Rolle spielen.
MonaLisa Touch® bei Lichen sclerosus
Als ergänzende Behandlung steht in der modernen Gynäkologie die Lasertherapie zur Verfügung. In unserer Praxis setzen wir bei ausgewählten Patientinnen mit Lichen sclerosus MonaLisa Touch® ein. Dabei handelt es sich um eine fraktionierte CO₂-Laserbehandlung, bei der kontrollierte Laserimpulse an das Gewebe abgegeben werden. Die thermischen Impulse sollen Regenerations- und Umbauprozesse im behandelten Gewebe anregen und dessen Struktur unterstützen. Die Behandlung erfolgt ambulant und nimmt üblicherweise nur kurze Zeit in Anspruch. Abhängig vom individuellen Befund können mehrere Sitzungen vorgesehen werden.
Wichtig ist dabei: MonaLisa Touch® ersetzt bei Lichen sclerosus nicht die etablierte medikamentöse Behandlung, sondern ergänzt sie auf sanfte Weise. Da sich die Gewebestärkung auch positiv auf die Blasenkontinenz auswirken kann, ist sie für LS-Patientinnen mit zusätzlichen Blasenproblemen möglicherweise besonders interessant.
Mehr zu Lichen sclerosus und MonaLisa Touch® – Ihr individueller Beratungstermin
Wenn Sie unter Lichen sclerosus leiden und zusätzlich Veränderungen beim Wasserlassen oder Blasenbeschwerden bemerken, sprechen Sie uns gern darauf an. Gemeinsam klären wir die möglichen Ursachen und besprechen, welche Behandlungsmaßnahmen – einschließlich MonaLisa Touch® – für Ihre individuelle Situation infrage kommen. Nutzen Sie gern unsere Online-Terminvergabe.