Als chronisch-entzündliche Hauterkrankung liegt der Hauptfokus bei Lichen sclerosus meist vor allem auf den sichtbaren Hautveränderungen. Juckreiz, Brennen, Rötungen sowie kleine Hautrisse können zu Schmerzen führen und den Alltag belasten. Weniger geläufig sind weitere Begleitbeschwerden, die mit Lichen sclerosus einhergehen können. So ist es möglich, dass auch ein verspannter Beckenboden durch die Erkrankung hervorgerufen werden kann. Dies kann das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen weiter einschränken. Was genau kann man als Patientin tun, um die Beckenbodengesundheit zu verbessern? Und wie sieht die Therapie bei Lichen sclerosus im Allgemeinen aus?
Warum kann der Beckenboden bei Lichen sclerosus verspannen?
Der Beckenboden ist ein komplexes Muskelnetzwerk im unteren Beckenbereich. Er stabilisiert Organe, unterstützt die Kontinenzfunktion und reagiert sensibel auf Schmerzreize, Stress und chronische Anspannung.
Bei Lichen sclerosus kann es durch wiederkehrendes Brennen, Juckreiz oder Schmerzen zu einer unbewussten Schutzreaktion kommen. Denn treten im Körper Schmerzen auf, spannt sich die umliegende Muskulatur an. Bei chronischen Erkrankungen und Schmerzen geschieht das demnach dauerhaft. Im Fall von Lichen sclerosus trägt das dazu bei, dass die Beckenbodenmuskulatur konstant kontrahiert und dadurch aus ihrem natürlichen Gleichgewicht aus Anspannung und Entspannung gerät. Infolgedessen verstärkt sich das Schmerzempfinden, da nun zusätzlich zu den Schmerzen des Lichen sclerosus auch Schmerzen aus der verspannten Beckenbodenmuskulatur hinzukommen. Überdies kann sich die Durchblutung des Bereichs verschlechtern. Es entsteht somit ein Kreislauf aus sich verfestigenden Schmerzen und Verspannungen.
Typische Anzeichen eines verspannten Beckenbodens
Nicht jede Patientin verbindet ihre Beschwerden sofort mit dem Beckenboden. Häufig werden Symptome ausschließlich dem Lichen sclerosus zugeschrieben. Folgende Hinweise können jedoch auf eine muskuläre Beteiligung hindeuten:
- Druck- oder Spannungsgefühl im Beckenbereich
- Brennen ohne klar sichtbare Hautverschlechterung
- Schmerzen beim Sitzen
- Beschwerden beim Einführen von Tampons oder bei gynäkologischen Untersuchungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- erschwertes Wasserlassen oder das Gefühl, nicht vollständig entleeren zu können
- ziehende Schmerzen im Unterbauch, an der Scheide oder im Dammbereich
- ständiges „Zusammenziehen“ im Intimbereich
- Beschwerden verstärken sich bei Stress
Was bei einem verspannten Beckenboden helfen kann
Eine dauerhaft angespannte, überaktive Muskulatur kann mit gezielten Entspannungs- und Trainingsübungen sanft gelockert werden. Dafür stehen mehrere Möglichkeiten zur Auswahl, die ja nach individuellen Befund ausprobiert und miteinander kombiniert werden können.
1. Spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist Physiotherapie bei spezialisierten Therapeutinnen oder Therapeuten. Dabei geht es nicht um klassisches „Beckenbodentraining“, sondern um Wahrnehmung, Loslassen und Normalisierung der Muskelspannung. Es wird unter anderem über Atemtechniken, Haltung und manuelle Entspannungsübungen gesprochen. Gerade bei chronischen Schmerzen kann dies eine Entlastung bieten.
2. Wärme und lokale Entspannung
Viele Betroffene empfinden Wärme als angenehm, sofern keine akute Entzündung oder starke Reizung vorliegt. Möglich sind zum Beispiel warme Sitzbäder oder wärmende Kissen. Wärme kann helfen, die Muskulatur zu beruhigen und Spannungszustände zu reduzieren.
3. Atmung als Schlüsselreiz
Stress und Schmerz führen häufig zu flacher Atmung. Der Beckenboden arbeitet jedoch eng mit Zwerchfell und Bauchmuskulatur zusammen. Ruhige, tiefe Atmung kann daher entspannend wirken. Zu den Maßnahmen können bequemes Sitzen oder Liegen, bewusstes Atmen durch die Nase, kontrolliertes Loslassen beim Ausatmen und das Vermeiden von Pressen oder aktiver Anspannung gehören.
4. Stress reduzieren
Chronische Erkrankungen belasten nicht nur körperlich, sondern oft auch emotional. Viele Patientinnen beobachten, dass Beschwerden in stressigen Phasen zunehmen. Daher können Achtsamkeitsübungen, Yoga oder Meditation eine hilfreiche Unterstützung darstellen.
Moderne Behandlung von Lichen sclerosus
Die Basistherapie bei Lichen sclerosus umfasst meist eine kortisonhaltige Pflege der Haut, um Entzündungen und Schmerzen zu reduzieren und weiteren Gewebeschädigungen entgegenzuwirken. In der modernen Medizin kann zusätzlich eine sanfte Lasertherapie in Betracht gezogen werden, um das Gewebe aufzubauen, die Bildung von Kollagen zu fördern und die Durchblutung zu verbessern. In unserer Praxis haben wir sehr gute Erfahrungen mit der MonaLisa-Touch®-Behandlung gemacht.
Auch die Beckenbodengesundheit sollte bei Lichen sclerosus berücksichtigt werden, da Beschwerden nicht selten mit muskulären Veränderungen einhergehen. Je nach Befund kann ein geschwächter Beckenboden vorliegen – etwa nach Geburten, bei Inkontinenz oder allgemeiner Beckenbodeninsuffizienz. In solchen Fällen kann eine Behandlung mit Emsella® sinnvoll sein, um die Muskulatur gezielt zu aktivieren und zu stärken. Bei Schmerzen, Überaktivität oder akuten Reizzuständen stehen hingegen eher entspannende und individuell abgestimmte Therapiekonzepte im Vordergrund.
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